Antikapitalistisch

Der Kapitalismus ist das derzeit herrschende, die ganze Welt umfassende Wirtschaftssystem. Die vor dem Kapitalismus in Europa herrschende wirtschaftliche Organisationsform war lange Zeit der Feudalismus, ein auf Leibeigenschaft beruhendes System. Während im Feudalismus Produktion v.a. stabil zum Zweck der Subsistenz (Selbstständigkeit) und dem Erhalt der Eliten stattfand, muss im Kapitalismus ständig Kapital angehäuft und reinvestiert werden, um Profite zu maximieren. Es geht dabei nicht vorrangig um die Gier einzelner Kapitalist_innen (auch wenn die Menschenverachtung z.B. der Führung und der Eigentümer_innen großer Konzerne durchaus angegriffen werden kann und soll), sondern um strukturelle Zwänge, die dieses System mit sich bringt. Speziell an dieser Produktionsweise sind außerdem die Art der Verteilung der Produktionsmittel und die Organisierung der Arbeit. Die Freisetzung von Millionen von Landarbeiter_innen und die Flucht in die Städte führten zur Bildung einer Arbeiter_innenklasse. Diese waren nicht mehr an den Boden und die Person eines Leibherren gebunden, sondern konnten frei entscheiden, für wen sie arbeiteten. Marx bezeichnete diese für das 19. Jahrhundert auch als „doppelt freie“ Lohnarbeiter_innen, die zwar frei entscheiden konnten, wo sie arbeiteten, aber auch frei von Besitz und dadurch gezwungen waren, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Die Eigentümer_innen von Produktionsmitteln lassen diejenigen für sich arbeiten, die keine eigenen Produktionsmittel besitzen und beuten sie aus. Die kapitalistische Gesellschaft ist daher eine Klassengesellschaft, in der die besitzenden Klassen die Nichtbesitzenden beherrschen, ausbeuten und unterdrücken.

In der neoklassischen Wirtschaftsideologie, wird davon ausgegangen, dass Krisen vor allem von außerhalb auf den Kapitalismus einwirken. Tatsächlich ist jedoch der Kapitalismus selbst ein von Widersprüchen durchzogenes System, in welchem es laufend zu Krisen und Auseinandersetzungen kommt. Diese Widersprüche zeigen sich zum Beispiel an den Achsen zwischen Arbeit und Kapital, sowie dem Widerspruch von Industrie- und Entwicklungsländern als wirtschaftliche Zentren und Peripherien, welche von einer ungleichen Vermögens- und Machtverteilung geprägt sind.

Im Neoliberalismus der letzten Jahrzehnte werden zunehmende Bereiche des menschlichen Zusammenlebens und die Subjekte selbst (insbesondere durch die vermittelnden Wirkungen der Kulturindustrie) den ökonomischen Verwertungszwängen unterworfen. Der Finanzkapitalismus als aktuelle historische Variante treibt die Entkoppelung der von Menschen produzierten Gegenstände von ihrem Gebrauchswert für die Menschen in bisher ungeahnter Weise voran.

Die kapitalistische Produktionsweise führt zu Ausbeutung, Unterdrückung, Leid und Kriegen. Sie stellt darüber hinaus nur eine von vielen Möglichkeiten der gesellschaftlich-wirtschaftlichen Organisationen dar und keinesfalls eine “ideale” und/oder “natürliche” wirtschaftliche Ordnung. Als BaGru Soziologie lehnen wir sämtliche Formen der Unterdrückung und die ökonomische Verwertung des Lebens ab. Dazu zählt insbesondere auch die Ökonomisierung der Bildung (z.B. Studiengebühren, Aufnahmetests und StEOP) und die wirtschaftliche Lage von Universitäten (z.B. Drittmittelfinanzierungen und prekäre Beschäftigungsverhältnisse), die den primären Ort unseres Wirkens darstellen. Wir glauben an die Möglichkeit einer gerechten und solidarischen Wirtschafts- und Lebensweise, die die Emanzipation und Entfaltung aller Menschen fördert und auf der Befriedigung tatsächlicher gesellschaftlicher Bedürfnisse unter Berücksichtigung der Knappheit natürlicher Ressourcen beruht.